schwarz weiss lyrik

Ins Stammbuch

ist doch kein alter, bro
stell dich bloß nicht (hinten) an
trotzdem: die mittagssonne steht im rücken
die zeitgenossen zeigen verständnis
kürzere schritte halbwache worte
wir zehren von prallen stunden

Grüner das Gras
Heller das Licht
Von Freunden umgeben
In Nächten voller Wunder


und sehnen uns nach den krokussen jährlich
geh nur voran und erkunde die wege
streif weg die disteln und dornen
den atem schon im nacken
die nahen schritte

hörst du


Der Morgen tropft

Der Morgen tropft vor sich hin
Wolkenverhangen
Erweicht Silben Synapsen
Körperkonturen halten zusammen was zusammengehört

Hoffnungsgrade gegen Zwölf
HIGH NOON  FÜR ALLE

Der Morgen tropft


Die Nacht im Rücken

Nach vorne schleicht der kleine Zeiger
stolpert mit den Träumen über welken Boden

Gestern riefen erste Schneeglocken
aus den Gräbern nach früherem Licht

OUT OF THE BLACK
INTO THE BLUE

Jetzt pulst unter der Schädeldecke Blut der späteren  Jahre
ringt mit Kanonen und Küssen
die Lufthoheit zu erlangen

HEY HEY, MY MY


Vor Sonnenaufgang

Der Fährmann
Zehn vor acht in der Flussmitte
Der schon jetzt
seine Augen weit flussabwärts
laufen lässt

Das herannahende Ufer
das seine Gedanken zurückholt
Aufs Schiff
An die Schalthebel

Die Uhr am Handgelenk
die sich seinen unsicher gewordenen Blick einfängt

Ein zweites Erwachen
Dort und
Hier


Nacht II

Das Rufen in die Kälte

Als Antwort
Erinnern


Kleiner Advent

Würde für einen Augenblick
Der schwerhängende Himmel
Aufreißen von dort oben
In meine Wortfetzen
Strahlen

Dieses Schneekristall
Dort vor dem Fuß
Würde zum Regenbogen
Verglühen


Schwarzer Christo

[Georg Takl, reloaded]

Ein Rudel Raben
umwebt ruhig die Steinskelette
Unter strenger Beachtung
der Hoheitsrechte

Babels Turm entzaubernd


Schweigender oft

Schon wächst ein neues Grün der Erde
Den Fuß bespielt mit Scham die zarte Luft
Doch fahle Haut den Sommer oft begehrte
Und weiß vom Ende, das mit Andacht ruft

Noch immer bläht sich Blut der frühen Jahre
Treibt mit dem Löwenzahn sein keckes Spiel
Der hat geruht – ich poche auf das Wahre
Der Menschenzeit, die manchmal reicht ans Ziel

Bald wird der Himmel Weite sich ergießen
Und retten manch umsorgten Tag
Wir sollten pralle Wörter uns erschließen
Die in sich tragen, was uns beistehn mag.


Leibklänge

Du Freund der letzten Tage
Vielleicht mahnt jetzt dein Ruf
Befragst die hellen Töne
Gejuchzt im Frühlingsduft

Belass der Gräser Blühen
und Welken – ohne mich
Die Amsel mag ihr Singen
Der Dämmrung widmen fürsorglich


In didn´t hear nobody pray

[in memoriam T. v. Z.]

Hände über dem blanken Papier
ahnen Pfade des Säglichen
Geschlungen um Stunden des Reisens

Da! ein Kind schreit draußen
Vor dem Kopfhörer

Kreidefressend antwortet EC Verdi
Bin eure bleiche Mutter
Die Eile

Feuerwalzen über dem grünen Äquator
Radieren aus im Sekundentakt
Das flirrende Wogen der Baumriesen
Die Gesänge der Brüllaffen
Dort so weit

Weltweites Geplapper auf den Monitoren
Schwerer Regen fällt wohl schon bald

Oh Lord, I didn´t hear nobody pray.


Der Bambus blüht

Heimlich inmitten meines trunkenen Lebens
Biegen sich Halme des Bambus – ermattet
Schwer sind die Rispen aus fremden Ländern
Dem Kairos geweiht das verzauberte Gras

An der Kehle der Zeit das Millennium endet
Wenn seltene Blütenschauer trauern
Als Zeitgenossen stehen hier und drüben
Noch Bäume des Lebens am Rinnsal gepflanzt

Eilig begreifen wir das Reife
Die Frucht aus Eden
Das gestundete
Wort


Bird alone

[für J.B.]

Komm zurück Schwalbe
Bring mir meinen Sommer
Und deinen Winter dort wieder

Jährliche Flugbahnen
zerschneiden meine Kleinwelten
Denkst darüber nicht nach
Wie über deinen Abschied

Komm noch einmal Schwalbe
Wandle mir deinen Winter
in meinen Sommer
Komm
Zurück

Den Abschied heute nicht nur mir
Auf den immerwarmen Drähten
des Südens erinnere dich

Bring mir meinen Sommer zurück



Café du Centre

Die beißenden Sonnenstrahlen von gestern
sind zahnlos geworden
Die ersten taumelnden Blätter
der Platanen treiben schon

Wohin

Im zögernden Schritt der Passanten
Macht sich Wehmut breit

Alors ça fera deux Pastis


Blutroter Mond

Gelächer zwischen den Pappdeckeln
Hohe Welt der Muse und des Marktes
Wo war deine Heiterkeit und
Dein Gewinn
Als ich mich sorgte

Blutroter Mond
Stillst meine Sehnsucht nicht
Die mich schwarz und schwer befällt
Wo war deine Antwort
Als ich dich anbellte


Weg allein

Der Stunden Zeiger geht dir nach
Zu kurz der Schenkel, der sich müht
Das Laken – ich betreu es wach
Erhitzen Auges, das schon sieht

Wie du dich näherst rotgebrannt
Ich hab mich schwer getan – gebannt

Ein Leben, das ohn dich geschieht
Doch pulst in mir bis unters Dach
ein Schlag, der gern mit dir vergeht
Der große Zeiger geht dir nach


picture & poem
Nachdem alles gesagt ist

Nachdem alles gesagt ist

Was willst du denn jetzt noch wissen?

Was willst du denn jetzt noch wissen?

notwendige Vokalisierung

notwendige Vokalisierung

Das halbe Überleben

Das halbe Überleben

Blütenwald

Blütenwald

Das Richtige im Falschen

Das Richtige im Falschen

one in every crowd

one in every crowd

sweet blossom

sweet blossom

eins und zwei und

eins und zwei und

Wie in einem Spiegel

Wie in einem Spiegel