Zwischen schwarz und weiß tun sich Wortwelten auf; schwarz auf weiß steht es dann hier ↓
Zwischen schwarz und weiß tun sich Wortwelten auf; schwarz auf weiß steht es dann hier ↓
[San Gimignano]
Erregte Türme speien alte Kunst
Sehr mutig müd gewordnen kalten Gassen
Hier blüht Geschlechter Lust und Stil
Nur jenen, die vom Fluss der Zeit sich nähren lassen
Dort drüben nehmen sich ganz andre Kinder
den alten Steinplatz für ein kläglich neues Spiel
Sie suchen sich im Meer der Moden
Und alle trennt, was gestern noch gefiel
Wer sucht des Jahres Lauf zu deuten
Dem sprechen wundersame Töne sich ins Ohr
Des Kuckucks Terz – sie prägt den Chor der Jungen
Ein Schrei nach Dauer, der sich schon verlor
[vox humana]
So schrei doch!
Plapper weiter noch
trägst und birgst Gebete du mit Wucht
Ach, deine Zunge ist festgezurrt
Mit Wortwitz nach Plan eingelagert
Schon früh im Holozän
Erscheint ER
Hast nicht geahnt solche Größe
Musstest dienen der Hybris Babylons
Bis heute
Doch bald schlag zu!
Sammle dann die Verirrten
Zu dienen
Deiner Weisheit
Ermattet stürzen die Kleider nach unten
Lassen Haut und Herz so nackt dastehn
Eben noch waren wir liebend verbunden
Halt mich von ferne! das wird bestehn
Den Sommer erwarten wir allenthalben
Wag es jetzt ihm entgegen zu spähn
Kein Tasten! kein Zögern! das Fieber lass walten
Gestriger Zweifel – heut darfst du verglühn
Geleerte Kaffeetassen
Dort im Spätsomnmerlicht
Nah zusammen die Henkel
Blickrichtung Südsüdwest
Ja! dorthin wieder
Der Apfelkuchenrest bleibt für länger
Drüben der Kirschbaum
Hält sich mit Sprüngen und Spalten
Trotzt den Winden
Gebiert sich entzieht sich
Jahr um Jahr
Hat sein Wissen um alles
Von weit her
Dreh dich um
Tauch ein in den roten Rosenblust
Und ströme und fliege und jauchze
Deine Nase sie färbt sich ein
Steigt mit den Hummeln trunken
In die Lüfte
vor augen die streunenden blätter
noch zögern sie taumeln zurück
im aufwind
zwischen himmel und erde
unter den brennenden füßen atmet sich
meter um meter
stunde um stunde
der sommer aus
im rücken das beharrliche drängen
von weit vom anfang her
gedehntes atmen
unter einer geschlossenen wolkendecke.
Der Rückblick zärtlicher als zuvor
Kein Lidschlag vor geweiteten Pupillen
Die Blautöne im Grauen obsiegen
Im Zeitraffer: Schön und gut.
Dort drüben halten sich schon jetzt
Forsythie Kornblume Aster aneinander fest
Ohne Zutun wechselt auch meine Hautfarbe
Eins und eins wird abgerechnet
Am Schluss.
Zwischendrin wird sorgsam ausgelöffelt
Verkostet Brocken um Brocken
Was übrig blieb und ohne Kairos
Den Rest der Stunden ordnet ein zuckender Zeiger
Dreh dich nicht um und folge
Den pulsierenden Stummelfarben.
Ihn nach kühnem Gedankenspiel
In der rechten Wurfhand
Zwischen Daumen Zeigefinger Mittelfinger
Zurechtzulegen
Sich dabei zu erinnern grinsend
An abertausend frühere
Dann den angewärmten Findling
Wuchtig und beherzt
Hinauszuschleudern
Zuerst ins Reich der Schneewolken
Dann das Stürzen
Tief und tiefer
Bis an die Wasserhaut
Im Zeitraffer
Blinzelnd zu verfolgen
An einem späten Novembernachmittag
Zu sehen
Wie das nasse Spannlaken
Eine Tür lautlos
Schließt
Verstummt.
Dabei wäre mit einem Atemzug mein unerhörtes Leben zu denken
Schwing die Axt nur
Treib tief deinen Logos
In die Zeitringe
Auch deiner mühseligen Jahre
Spreng mein Blut – versuchs
Doch atme anders die Jahre
Die Luft entlang der Ringe
Dann schneid sie in die Haut
Den Rotbuchen
Wie Verliebte im Mai
Aber wie
Wenn ich liebe wenn
Ich den Atem zur Stille finde
Zwischen den Scherben
Mag sein
Niemand verweilt dort ohne Not
Unsere zerschnittenen Füße
Trinken den Morgentau
Dreimal so weit wird es sein
Dreimal so weit
Dreimal
Stein und Bein wurzeln
Zur Reglosigkeit
Verspreche ich mich
Im Blaudunst
Der Zypressen
der poetenladen – auch mit lyrik
Du da
Dich suchte ich
Manches Mal
Flüchtete ich
Zu dir und deinesgleichen
Mit Blicken entlang des Bettes
Tastenden Fußsohlen und
Flachem Atem
Wie aber beten ohne Sprache
Sing du mir
Deiner Tage und Nächte Choral
Mit Urmurmeln berausche mich
Vom Grund
flach über die schädeldecke
spannt sich das
graue gedankentuch
drüber nichts drunter
hier bin ich
hier muss ich
würde
für einen moment nur
zerreißen
lösen sich das erdenzelt
zerstürbe im augenblick
meine sehnsucht.
septembersturm schreit um sich
treibt machtvoll vor sich her
wasser
durch die luft
reisst zweige
ja
sogar bäume ins verderben
nur wer jetzt wurzeln kann
im erdreich ankern
bricht nicht
wenn der Winter wettert ohne nachsicht