Wortwelten zwischen schwarz und weiß; schwarz auf weiß steht´s dann hier ↓
Wortwelten zwischen schwarz und weiß; schwarz auf weiß steht´s dann hier ↓
Du da
Dich suchte ich
Manches Mal
Flüchtete ich
Zu dir und deinesgleichen
Mit Blicken entlang des Bettes
Tastenden Fußsohlen und
Flachem Atem
Wie aber beten ohne Sprache
Sing du mir
Deiner Tage und Nächte Choral
Mit Urmurmeln berausche mich
Vom Grund
flach über die schädeldecke
spannt sich das
graue gedankentuch
drüber nichts drunter
hier bin ich
hier muss ich
würde
für einen moment nur
zerreißen
lösen sich das erdenzelt
zerstürbe im augenblick
meine sehnsucht.
septembersturm schreit um sich
treibt machtvoll vor sich her
wasser
durch die luft
reisst zweige
ja
sogar bäume ins verderben
nur wer jetzt wurzeln kann
im erdreich ankern
bricht nicht
wenn der Winter wettert ohne nachsicht
Hinansteigende Fußsohlen
dem Rotblaugrün entgegen
Die Sonne fällt
und tauscht das Licht mir aus
Dein Busen labt sich
im betagten Licht der Himmel
Als Teil der gelben Sandluft
die bald in Ruhe blüht
Stumm bewegt die Tide das Schiff
Schiebt und zerrt ans Dock sich die Welt
Blutschweiß der Bauern steingrün die Bananen
Die Klagen treffen im Weltwasser sich
Strecken sich Kranhälse gierig nach Süden
Vergeblich der Ruf nach fairem Geschäft
Für den Schlund wird geraubt das feiste Futter
Und meine Tränen um nichts in der Welt
Kommt ein Vogel geflogen
–
siehst nicht das Abendlicht
ahnst nicht die gläserne Lüge
die verspricht des Gartens blaue Weite
hast geträumt nur einen Sommer lang
und die Lust der Zeiten
auch den Taumel des Gleitens?
Hast mich erschreckt so laut
Aufprall zur Tagesschau
So ähnlich im Klang – doch bleiben
Rhythmus und Tonfall zu scheiden
Bist gestürzt hast wund gelegen
sinnst zuckend dort dem Tod entgegen
Kämpfst anders du – hast andere Ruh
stirbst sehend gar dem Anfang zu?
Stehn zwei da
Wie Adam und Eva
Im Licht der Sonnenwende
Einen Schritt rückwärts jeder
Blinzelnd scharfstellend
Bleiben dann stehen
Müde Duellanten für Augenblicke
Wer bist du
Ich
Dreh dich nicht um:
Halte stand der Sehnsucht
Begleite diesen Gedanken
Entlang des Blicks
Nach vorne
Stehn zwei da
Nach vielen Jahren
Aus Aschen gepresst
Zur Form gebracht
In Erinnerungen
Gleich
Glänzend
zart und unschuldig kommen
deine silben geflogen
spielst die süße evaleier
die frucht enthältst du mir vor
drehst den spieß mir um
willst hören was ich fühle
labst dich dort drüben
an meinem gestammel:
Erstehen und entsagen der Nacht
Heulen mit den bunten Wölfen
Zerreißen das Laken und auch Dir
Den Schutzmantel rauben
zur schädeldecke pocht
unerbittlich der blutstrom
im takt mit letzten onlinefetzen
gnade! gnade! gnade!
der alte adam darbt im garten
geblähte stirn wankende schenkel
was ich schreibe fühle ich und folge
doch nur den heiseren sirenen
Mit dem Rücken
Zur Fahrtrichtung Südsüdwest
Fliegt das Mailand
Weg – wohin
Die Sehnsucht jagt
Hinterher in den schwarzen Horizont
Dort türmen sich schon
Die schweren Wolken
Und weinen sich
aus
über
mir
Doch der stürzt davon
Mit dem ICE 858
Und einem helleren Wind
Im Rücken.
Auf dem Schädel
Raunen hornige Drähte
Was von Synapsen
Links rechts
Links bleibt
Die Kehle dürstets
Das sich entwässernde Menschengeschlecht
Ach das Herz!
Bekennt sich sekündlich:
Geblähter Schädel
Benetzte Kehle
Senkstelzen. Die Hüter des Hauses
Im Ozean stochernd
Zittern sie wohin
Zwischen oben und
Erde eingeordnet
Rufen sie
Alle
Ewigkeit
Eingezäunt von endloser Wörterschar
Sprengt der Gedanke an dich die Buchdeckel
Die Syntax springt aufgeregt ineinander
Überschriften suchen ihr Gefolge
Meine Augen nehmen Zwischenzeiliges auf
Weiß auf schwarzem Grund
Du machst mich lesen und
Sehend befreunde ich mich
Mit den Schatten
Die Wolken fliegen tief vom Abend her
Treiben grüngraue Vorhänge durch den Kopf
Da! eine Silbermöwe steht im Wind
Beweglich nur der Kopf
Der Rest scheint stärker
Mit jedem Windstoß
Trotzig entfliehe ich dem Zeichen
In einen roten Italiener
[nur Mut!]
Der Tisch zum Baum
Zum Spross
Zum Nichts das Leben
Schwindet
Der Vater zum Sohn
Zur Zelle
Zum Wollen die Lust
Verkommt
Meine Zeilen zum Wort
Zum Mühen
Im Selbstdunst sich alles
Enthebt
Für eine Weile klingt
Das Rotkehlchen die Goldammer
Vergessen der traurige Rest
Eintagsfliegen entschleunigen ihr knappes Gut
Dösen In der Mittagssonne
Wähnen sich daheim: High Noon
Ich vernehme das kaum
Käfer Raupen Zecken Getier
Eine Horde befällt mich
Erkundet mein verletztes Hemd
Hört nicht den drohenden Herzschlag
Dass der Mai mir gehört –
allein
Um das verlorene Gedicht
Das ich mir hätte sein können
Habe ich stets getrauert
Ein Fremder wurde ich
Hier und da
Versucht der Liebe
Text zu schenken
Ich ging auf dich zu
trochäischen Schrittes
Und die einstigen Saufkumpanen:
Schenken schon lange nicht mehr ein
Den Morgenstunden träumend zu erliegen
Auch das Füllhorn der Denker und Weisen
Ist mächtig geschwätzig
Angeschwollen mit Eitelkeiten
Verunreinigt habe ich und
Geopfert dem Moloch Morgen
Schon jetzt
Die prallen Vokabeln
Nach denen der Sinn steht
Ich drehe mich um –
kann nicht mehr fixieren die Zeit
Und die Schmetterlinge
Jagte ich nutzlos
Heftete ich vergaste Körperkreuze
Aufs Brett
Dann auch Erdhöhlen befeiert
Mit ersten Erektionen
Spätere Aufstände nicht ausgeschlossen
Gegen Atomzerfall
Noch mutiger das Kauern
Vor Filmhelden mit den üblichen Verdächtigen
Im Laufe der Zeit
Geschissen sogar
Auf die schwarzen Schatten der Druckerzeugnisse
Nachtfalter!
So opfere mir doch deine verbliebenen
Stummelfarben
Deine Schreie
Dein Mahnen:
Hab acht!
Dies alles läuft leer
Und ohne Quelle das Meer
Dem großen Bruder Schlaf in die Arme
Wo Wörter noch
Warten
[Hymnus]
Pflückte ich Strahlen der Himmel
könnte ich lauschen der Zeit
arglos wollt ich verglimmen
unendlich satt und gescheit
So aber brechen die Wellen
bildschirmpoliert mir ins Hirn
Nahrung erquickt nur den Schnellen
zunehmend dumpf meine Stirn
Träum ich den Morgen herinnen
seh wie er zappelt und spricht
möcht diesem Schwerschlaf entrinnen
endlich in frühgraues Licht
Wie sie den Tag kommentieren
rückwärts
die Septakkorde durch die Stunden
flechten
kurz vor Toresschluss das Präludium
davor Schweigen
[Sonett der Bürgerpflichten]
Schmieg betend dich an die Ufer des Arno
Dein Bauch sei der Kiesel Ruhestatt
Der Menschen Werk möge flirren dir über der Ebene
Öffne deiner Heimat die Schleusen des Horizonts
Zieh durch die Mooswälder mit dem Gewicht der Ohren
Am Himmelswind richte aus deine Glieder
Allein im Schatten der Zypressen mach Freunde dir
Stimm ein in die Seufzer der streunenden Hunde
Güte und Lehm sei deines Lebens Grund
Rede von deiner Seele als etwas anderem
Im Rudel sprich im Rhythmus zweier Augenpaare
Dreh dich nicht um auf der Reise nach Eden
Maßvollen Schrittes grüße die Ölbäume deines Herzens
Gib ab die Schlachtfelder und Tränen dem Allerersten